TTC 1959 Heddesheim e.V.

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TTGeschichte

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Die Entwicklung unseres Sports

Von: Dieter Ludwig

Seit 1884 sind TT-Spiele aus
England bekannt. Das Spiel entstand
als reines Unterhaltungsspiel der nach
1870 entstandenen „Neureichen“.
Der Industrielle Aufschwung führte
zum Bau prächtiger Villen mit
Tanzsälen. Eines Tages kam eine
kleinere Gruppe auf die Idee ein Seil
quer durch den Raum zu spannen
und zwei Felder einzuzeichnen.

Ein Stroh gefüllter Lederball, etwas größer als ein Tennisball, wurde mit einem Schläger, der aus einer runden ebenen Holzscheibe und einem längeren Griff, ähnlich dem eines Badminton-Schlägers, bestand, über das Seil hin und her geschlagen. Die Belustigung bestand in den „eigenartigen Bewegungen, die die Spieler zu vollführen hatten, ins besondere die Damen zeigten eine neue Art von anmutigen Figuren“. Einige Dinge finden sich in den Sportarten Tennis, die Netzhöhe, Badminton, die Feldergröße und Tischtennis, der runde Holzschläger wieder. Das TT wurde eine Attraktion in Cafes, Bars, Hotels und Klubs. Das Spiel wurde Ping-Pong genannt und bei schlechtem Wetter besonders in Tennisklubs betrieben.


Um 1900 fand das Spiel nach Deutschland, aber nach einer Anfangs-Euphorie verschwand das allgemeine Interesse daran wegen fehlender einheitlicher Regeln sehr schnell. Der erste Weltkrieg und seine Folgen trugen ebenfalls dazu bei.

Ab 1924 wird mit 7 sogenannten Ursprungsregeln gespielt. Sie muten heute teilweise sonderlich an:
Der Tisch, als „Pforzheimer Muster“ bekannt, war 2,70 m lang und 1,40 m breit. Die Höhe hatte eine Toleranz von 0,75 bis 0,85 m. Er durfte keinen weißen Rand aufweisen.

Der Schläger durfte im Durchmesser nicht größer sein als die Netzhöhe. Ausdrücklich wurde die Bespannung mit Fell bzw. Pergament (Hohlschläger) verboten.

Die Höhe des Netzes ist 17,5 cm.

Die Zählweise entspricht der im Tennis.

Der Aufschlag konnte von irgendeiner Stelle hinter der Tischkante ausgeführt werden.

Volley-Schläge (Flugball) sind nicht erlaubt.

Unter Allgemeines wurde ausdrücklich betont, daß während des Spiels die freie, nicht schlagende Hand die Spielfläche jederzeit berühren darf.

Außerdem wurden nur Einzelspiele, auch „Gemischte“ gespielt. Unter „Gemischte“ verstand man damals kein gemixtes Doppel, sondern eine Dame spielte gegen einen Herrn. Doppel gab es keine.
Nach diesen „Pforzheimer Punkten“, benannt nach Dr. Simon aus Pforzheim, wurde im Januar 1925 die „1. Tischtennis-Meisterschaft von Deutschland“ durchgeführt. Veran-stalter war der Berliner Tennis-Club 1900 Gelb-Weiß in den Klubräumen in der Kaiserallee. Es gewann ein Inder mit 6:0 und 6:3. Diese Meisterschaft war ein klarer Beweis dafür, daß einheitliche Spielregeln dringend notwendig waren.

So gab es keine Doppel, und wenn, dann spielte man der Einfachheit halber an zwei nebeneinander stehenden Tischen. Man hatte zwar kein Verbot, doch bemühte man sich, weiße Kleidung beim Spiel und das Rauchen im Spielraum zu verbieten. Man versuchte eine Spielumrandung einzuführen und gleichmäßig gute Bälle herzustellen.

Man spielte an unterschiedlichen Tischen, 1,40 m Breite x 2,70 m Länge, oder die englischen Maße 1,53 m Breite und 2,75 m Länge, die Bälle waren verschieden groß, der Aufschlag wurde mal mit Berührung der eigenen Spielfeldhälfte, mal ohne ausgeführt. Selbst die Zählweise war uneinheitlich, die meisten zählten nach der Tennis-Regel, woher die Aktiven stammten, andere zählten bereits bis 21.

So entschloß sich im Februar 1925 ein kleiner Personenkreis einen Verband ins Leben zu rufen. Als wichtigste Vorarbeit wurde die Ausarbeitung eines Regelwerkes betrachtet und deshalb eine Kommission damit betraut. Diese nahm sich zunächst das Regelwerk des TT-Mutterlandes, England, vor. Sehr schnell bemerkte man, daß auch diese nicht ausge-goren waren. Das Doppelspiel war in den offiziellen Regeln nicht enthalten, obwohl die von Firma Slazengers Ltd. heraus gegebenen und von der „English Table Tennis Association“ genehmigten Spielregeln das Doppel behandelten. Auch in anderen Ländern wie Amerika, Österreich und Ungarn war man nicht weiter, schon gar nicht einheitlich.

So gründeten 38 Vereine in Berlin am 08. November 1925 den Deutschen Tischtennis Bund (DTTB) mit einem Regelwerk, das insgesamt 22 Punkte umfaßte:

Der Tisch hatte die Abmessungen 2,75m lang und 1,53m breit (englische Maße).

Das Netz hatte eine Höhe von 17,5 cm und einen 1 cm breiten Rand.

Der Ball hatte ein Gewicht von 2,1 – 2,3 g (der Ball der Fa. Slazenger, Tee-Tee-Ball, war haltbarer als die aus deutscher Fertigung).

Der Schläger durfte in keiner Richtung einen größeren Durchmesser als 17 cm haben.

Die Kleidung durfte nicht weiß sein, ein klarer Kontrast war gefordert

Der Aufschlag mußte hinter der Grundlinie zwischen den verlängerten Seitenlinien erfolgen

Der Ball mußte indirekt aufgeschlagen werden, das heißt vor dem Passieren des Netzes die eigene Spielfeldhälfte berühren.

Der Spieler mußte sich beim Aufschlagen ebenfalls in dem Raum hinter der Grundlinie und zwischen den verlängerten Seitenlinien befinden.

Das Auflegen der freien Hand auf die Tischoberfläche war verboten.

Ein Spiel wurde von 2 Personen (Einzelspiel) durchgeführt, gleichgültig wessen Geschlechts sie waren.

Nach 10 Ballwechsel wurden die Seiten gewechselt.

Die Zählweise wurde entsprechend den Tennisregeln festgelegt.

Bereits nach kurzer Zeit wurde die Zählweise bis 21 Punkte eingeführt.

Schon im Januar 1926 erfolgte die Gründung der Internationalen Tischtennis Föderation (ITTF) in Berlin. Kaum, daß Deutschland eine einheitliche Regelung hatte, mußte diese geändert werden. Es gab Änderungen für das Einzelspiel, aber auch das Doppelspiel wurde nun aufgenommen. Die Regelung der Kleidung wurde gestrichen. Die Sprunghöhe des Balles wurde definiert, die Tischhöhe einheitlich mit 76cm und die Netzlänge mit 1,83m festgelegt. Die neuen Regeln umfaßten nun 24 Punkte und wurden am 12.Dezember 1926 heraus gegeben. Doch schon bald gab es neue Änderungen.

1933 fand ein ITTF-Kongress in Paris statt. Dabei wurde das Aufhalten des Balles durch den Gegner bei Netzberührung beim Aufschlag als Wiederholung eingeführt. Vorher war es ein Fehler des Rückschlägers.

Anfang 1934 wurde der Seitenwechsel in den Entscheidungssatz nach erreichen von 10 Punkten durch eine Partei verlegt. Vorher wurde nach jedem 10. Ballwechsel ein Seiten-wechsel durchgeführt, auch bei 20:20. Ebenfalls neu eingeführt wurde die Umstellung der Doppel im Entscheidungssatz nach 10 von einem Paar erreichten Punkten. Vorher war nach dem 10. Punkt und dem Ende der Aufschlagserie gewechselt worden. Ebenfalls neu eingeführt wurden die Regeln wegen unrichtigem Seitenwechsel und unrichtige Reihen-folge beim Aufschlag, unrichtig an Stelle von falsch deshalb, weil die Punkte nicht verlo-ren gingen. Der Aufschlag mußte nur noch hinter der Grundlinie ausgeführt werden und Hilfsmittel, wie z.B. Däumlinge, Gummischützer, sowie das Herausrollen des Balles aus der Hand mit dem Schläger wurden verboten. Das Ballgewicht wurde auf 2.4 – 2,53 g erhöht.

Bereits drei Jahre später wurde die Netzhöhe auf 15,25cm festgelegt (England hatte mal wieder gesiegt) und der Kampf gegen das „Zeitspiel“ aufgenommen (WR=2h 56min). Ein Zweisatzspiel durfte nicht länger als eine Stunde, ein Dreisatzspiel nicht länger als 1 ¾ Stunden dauern. Nach dem dritten Satz stand dem Spieler eine Pause von 5 Minuten zu. Das Mindestmaß des Spielraumes für internationale Begegnungen wurde auf 6 x 12m und die Höhe der Beleuchtungskörper auf 3m über Tischhöhe festgelegt. Noch im gleichen Jahr gab es nach den Weltmeisterschaften in Wien neue Änderungen. Ein Satz endete nach 20 Minuten und gewonnen hatte der, der die meisten Punkte erzielt hatte. Bei Punktgleichheit wurde noch 5 Minuten weiter gespielt und der, der den ersten Punkt erzielte, hatte gewonnen. Verboten wurde der „amerikanische“, oder der sogenannte „Knipsaufschlag“, bei dem der Ball durch das „Fingerknipsen“ in Rotation versetzt wurde.

1947 wurde dann der Aufschlag so geregelt, daß er aus der flachen, horizontal zum Kör-per gehaltenen Hand aus zu führen ist. Die Hand ist gestreckt und der Ball hat auf dem Handteller zu liegen.

In den folgenden Jahren gab es weitere Änderungen z.B. bei der Beleuchtungsstärke, der Spielraumgröße, den Spielsystemen, den Spielunterbrechungen, der Wechselmethode, dem Aufschlag (Fußstampfen) und der Kleiderordnung, bis dann eine gewisse Konstanz, um nicht zu sagen Verharrung eintrat. Diese wurde Mitte der 80er Jahre beendet und seit dieser Zeit verging keine Weltmeisterschaft ohne Neuerung. Diese alle auf zu zählen wür-de zu weit führen, aber stellvertretend seien erwähnt die Handtuchregel, ununterbro-chenes Spiel, die Kleiderordnung mehrfach, die Werbebestimmungen mehrfach, die Schlägerbelege mehrfach, die Aufschlagregel, die Wechselmethode, die Aufgaben von SR und Hilfs-SR, die unerlaubte Beratung, das unfaire Verhalten mehrfach, die Doping-bestimmungen, das Frischkleben der Beläge, das Time-out (1999), der größere Ball (2000), und nun die Zählweise (2001). Nächstes Jahr wird erneut eine geänderte Auf-schlagregel folgen.

Es wäre töricht, zu behaupten, Tischtennis ist ein altes Spiel mit bewährten Spielregeln. Wer die Entwicklung richtig verfolgt, weis, daß das einzige, was beim Tischtennis wirklich beständig war, die Änderungen sind. Die meisten dieser Änderungen haben sich bewährt, um nicht zu sagen, waren geradezu notwendig. Ob sich die neue Zählweise bewährt, weiß noch niemand. Daß sie mit Nachteilen verbunden ist, z.B. im Doppel, ist klar, aber deshalb sollte man erst einmal Erfahrung damit sammeln und dann urteilen. Vielleicht lachen wir in ein paar Jahren über unsere Bedenken von heute. Man stelle sich vor, man spielt Doppel im Rollstuhl in der 1. Behindertenklasse. Diese Spieler sind viel schlimmer dran, als es sich ein gesunder je vorstellen kann. Und die SR haben ein neues Fehler-potential, das der eine oder andere „ausnützen“ wird. Also: wie sagte eine „Lichtgestalt“ einer anderen, bekannten Ballsportart: „schau‘n mer mal“.